Minolta AF 20mm f28 Minolta AF 20mm f28 qs Minolta AF 20mm 1:2.8

 

 

Das AF 2.8/20 mm ist ein kleiner Superweitwinkel, dessen Leistung abgeblendet nicht hinter derjenigen des Zeiss 2.8/16–35 mm zurücksteht. Die Sony-Version wurde optisch leicht überarbeitet und mit umweltfreundlichen Gläsern ausgestattet.

Das trotz Metallbauweise überraschend leichte Objektiv gehört zu den Klassikern im Alpha-System. Es liegt mit der α900 sehr ausgewogen in der Hand. Verschlusszeiten von 1/4 s können bei eingeschaltetem Bildstabilisator durchaus noch gehalten werden; benutzt man den Serienbild-Modus, kann man mit etwas Glück bis hinunter zu einer halben Sekunde gehen.

Bei Offenblende hat das AF 2.8/20 mm vor allem in den Ecken einen sehr niedrigen Kontrast bei durchaus brauchbarer Detailauflösung. Schon ab f5.6 wird der Kontrast sehr gut, und die Ecken kommen scharf. Bei gleichen Blendenwerten bringt die kleine Festbrennweite durchwegs etwas mehr Details als das grosse, schwere Zeiss ZA 2.8/16–35 mm. Bei f8 oder 11, den optimalen Blenden des 2.8/20 mm, hat man bis in die äussersten Ecken eine exzellente Detailzeichnung.

Mässige chromatische Aberrationen sind sichtbar; für kritische Anwendungen sollte man sie per Software entfernen. Die wellenförmige Verzeichung kann je nach Motiv recht störend in Erscheinung treten; aus diesem Grund ziehe ich für Architekturaufnahmen das Zeiss ZA 2.8/16–35 mm oder das neue ZA 2/24 mm vor, die  beide im Bereich um 24 mm praktisch verzeichnungsfrei sind. DIe Bildfeldwölbung des AF 2.8/20 mm ist recht gut korrigiert, die Vignettierung hingegen bei Offenblende störend hoch. Das Koma tritt bei f2.8 und f4 deutlich störend in Erscheinung; bei Nachtaufnahmen mit punktförmigen Lichtquellen empfiehlt sich deshalb ein Abblenden auf mindestens f5.6 oder f8.

Eine weitere, recht spezielle Eigenart teilt das AF 2.8/20 mm mit andern Minolta-Klassikern wie dem AF 1.4/50 mm oder dem AF 1.4/85 mm G. Aufgrund unterkorrigierter sphärischer Aberrationen wandert der Fokuspunkt beim Abblenden etwas nach hinten; für optimale Präzision sollte man den Autofokus seiner α900 also bei derjenigen Blende kalibrieren, bei der man zu arbeiten gedenkt.

Dem AF 2.8/20 mm kommt auch jetzt noch neben dem ZA 2.8/16-35 mm eine wichtige Rolle zu, wenn es um Street Photography geht oder wenn im Gebirge eine leichte Ausrüstung gefragt ist. Jahrelang hatte ich das 20er zusammen mit einem 1.4/50 mm, dem 2.8/100 mm Macro und dem 2.8/200 mm APO G als ständigen Begleiter dabei. Zahlreiche Landschafts-Aufnahmen auf dem hochauflösenden s/w-Film Kodak Technical Pan – oft mit Rotfilter und Stativ aufgenommen – zeugen von der Leistung dieser unscheinbaren kleinen Optik.


Baujahre Minolta ab 1986 (überarbeitet 1993), Sony ab 2006 (angepasste Rechnung mit umweltfreundlichen Glassorten)
Linsen/Glieder 10/9
Länge/Durchmesser 53/78 mm
Gewicht 285 g
Naheinstellgrenze 0.25 m
Filter 72 mm
Bauweise Metallfassung
Fokussierung Rückteilfokussierung, Stangen-AF