Minolta XM

minolta_xm_dsc03150

 

Die Minolta XM (hier die japanische, als X-1 bezeichnete Variante) trat 1972 in Konkurrenz zur Nikon F2 und zur Canon F-1. Als einzige dieser Kameras war sie von Beginn weg auf automatische Belichtung ausgelegt (AE-Sucher, links im Bild). Als einzige Minolta-SLR überhaupt bot die XM einen Wechselsucher und einen Titan-Rolloverschluss. Die Objektive zur XM - neu mit einer einem Gummiwaffelring versehen - waren ungewöhnlich hochwertig gefasst. Perfekt aufeinander eingeschliffene, seidenweich laufende Fokussierschnecken in der idealen Kombination von Messing auf Aluminium lassen den Einfluss des damaligen Partners Leitz deutlich spüren. Auch die optische Leistung ist exzellent; sowohl das MC 50 mm 1:1.4 (an der Kamera) als auch das MC 21 mm 1:2.8 (Mitte) gelten bis heute als die schärfsten Objektive ihrer Brennweite im Minolta-System. Rechts davon das MC 35 mm 1:1.8, das damals in vielen Tests als "bestes Weitwinkelobjektiv" bezeichnet wurde, und das MC 200 mm 1:4.5, das aufgrund der gemässigten Lichtstärke sehr handlich gebaut werden konnte.

 

Geschichte

Die Minolta X-1 (bzw. XM in Europa und XK in den USA) wurde 1972 eingeführt. Die erste Version wurde bis 1976, die zweite bis 1980 gebaut. Die X-1 ist die erste der vier professionellen SLR-Kameras von Minolta und damit der Urahn der späteren 9000, 9xi und Dynax 9. Obwohl in ihr zahlreiche technische Innovationen verwirklicht wurden, konnte sich die X-1 nie gegen ihre direkten Konkurrenten (Nikon F2 und Canon F-1) durchsetzen. Die X-1 war als elektronische Kamera konzipiert, und damit war die X-1 den späteren Modellen Nikon F3, Canon F-1n und Pentax LX rund ein Jahrzehnt voraus. Die X-1 wurde in zwei Varianten gebaut, die sich technisch (z. B. innere Verdrahtung) unterscheiden; sie können leicht anhand der Rückwand unterschieden werden. Zeitgleich mit der zweiten Variante kam 1976 auch eine motorisierte "X-1 Motor" auf den Markt, die heute von Sammlern sehr gesucht ist.


Gehäuse, Spiegelkasten und Sucher

Das Gehäuse der XM ist komplett aus Metall aufgebaut; es macht einen massigen und robusten Eindruck. Mit AE-Sucher und dem Standardobjektiv MC Rokkor-PG 1.4/50mm wiegt die betriebsbereite Kamera rund 1200g. Unten rechts am Spiegelkasten findet sich ein kombinierter Schalter für das Kontrolle der Tiefenschärfe (drücken) sowie für die Spiegelvorauslösung (drehen). Zur Dämpfung des Spiegelschlages dient ein mit Schaumstoff belegtes, gefedertes Metallteil, das sich um etwa 3-4mm nach oben bewegen lässt und das damit den Schlag wirkungsvoll abdämpft.

Als einzige Minolta-SLR überhaupt hat die XM auswechselbare Sucher, die für stark voneinander abweichende Einsatzzwecke konstruiert sind. Zusätzlich kann die Kamera mit zahlreichen Einstellscheiben weiter optimiert werden. Nebst den Automatik-Prismensuchern (AE- und AES-Sucher) und dem einfachen Prismensucher (0,8fache Vergrösserung), waren ein Lichtschachtsucher mit Lupe (Vergrösserung 1.0x) und ein heute sehr gesuchter Vergrösserungssucher (1.33fache Vergrösserung) lieferbar. Beim Auswechseln des AE-Suchers ist unbedingt darauf zu achten, dass vor dem Ansetzen der Blendenmitnehmer richtig positioniert wird, um Beschädigungen zu vermeiden.


Belichtungsmessung und -Steuerung

Die X-1 war die erste Spiegelreflexkamera, die automatische Belichtung (Automatic Exposure, AE) und Messung durch das Objektiv (Through the Lens, TTL) vereinte. Sie ist mit einem Titanverschluss ausgerüstet, der bis zu 1/2000s schnell ist, aber auch elektronisch gesteuerte Verschlusszeiten bis zu 16s ermöglicht. Zusätzlich zu den elektronisch gesteuerten Zeiten existieren zwei mechanische Notzeiten (X und B), die auch ohne Batterie funktionieren.

Beschränken wir uns der Einfachheit halber auf den üblichsten Sucher, den AE-Sucher: Hier erfolgt die Belichtungsmessung wie bei der SR-T mit zwei Selen-Zellen, die in Serie geschaltet sind (CLC-Prinzip). Damit hat der schwächer beleuchtete Widerstand einen proportional stärkeren Einfluss auf das Resultat der Belichtungsmessung. Es handelt sich hier somit um eine primitive Variante des Mehrzonen-Messsystems. Die Signale werden erstmals mit einer Integrierten Schaltung (IC) verarbeitet – eine direkte Folge des damaligen Wettlaufs zum Mond: Die spektakulären Aufnahmen von der Mondoberfläche und der Erde aus 300'000 km Distanz waren 1969 mit Messelektronik von Minolta („Space-Meter 1“) realisiert worden.

Am Sucher selbst lassen sich Filmempfindlichkeiten in Drittelstufen von 12 -6400 ASA eingeben. Zusätzlich sind am selben Drehrad auch halbstufige Plus- oder Minuskorrekturen möglich (plus 3.5 bis minus 0.5).

Eine sehr praktische Innovation findet sich auf der Rückseite des Verschlusszeitenrads: Mit dem rechten Daumen kann man stufenlos und schnell die vom AE-Sucher gemessenen Zeiten um bis zu zwei Stufen nach unten oder oben verschieben. Ein Okularverschluss und eingespiegelte Zeit- und Blendenwerte vervollständigen die Ausstattung des Suchers, und zur Vermeidung von Fehlbelichtungen war die XM so konstruiert, dass bei fehlender Spannung der Spiegel nach dem Auslösen nicht in die Ausgangsposition zurückklappte; dies geschah erst durch Öffnen der Batteriekammer.

Um unnötigen Energieverbrauch zu vermeiden, wird die Belichtungsmessung mit einem „Touch Switch“ automatisch eingeschaltet, sobald man die Kamera in die Hand nimmt, und wieder ausgeschaltet, wenn man sie ablegt. So einfach das Konzept ist – die Umsetzung hatte ihre Tücken. Fasst man die XM irrtümlich neben dem "Touch-Switch" an, so wird die Belichtungsmessung nicht aktiviert, und es kommt zu Fehlbelichtungen. Deshalb besteht die Möglichkeit, den Belichtungsmesser am Sucher selbst dauernd zu aktivieren - was wiederum die Batterien rasch entleert, wenn man den Sucher auszuschalten vergisst. Die Kombination von zwei fehlerbehafteten Möglichkeiten trägt nicht wirklich dazu bei, das Gesamtsystem "narrensicher" zu machen; einige Anwender zogen es deshalb vor, den "Touch Switch" von Minolta ausbauen zu lassen.

Der Umgang mit der XM ist etwas gewöhnungsbedürftig - auch dies im „schnellen“ Bildjournalismus sicher nicht von Vorteil –, und die Elektronik neigt nach beinahe vierzig Jahren zu Störungen. Gelegentlich findet man nach wie vor gute erhaltene Exemplare; oft ist aber die gesamte Belichtungsmessung dejustiert; und einzelne Potentiometer müssen ersetzt werden. Aufgrund der Seltenheit lohnt sich eine solche Überholungen aber. Generell empfiehlt es sich, zugleich auch die Lichtdichtungen der Rückwand und allenfalls den Spiegeldämpfer zu erneuern.


Sucher und Einstellscheiben

Die X-1 ist - zusammen mit ihren Schwestervarianten XM und XK - die einzige SLR von Minolta, die einen Wechselsucher aufweist. Wie bei Canons F1 und Nikons F-Serie (F bis F5) existieren mehrere Sucher, die für teils stark voneinander abweichende Einsatzzwecke optimiert sind. Nebst dem oben beschriebenen Automatik-Prismensucher (AE-Sucher) waren zunächst ein einfacher Prismensucher ohne Belichtungsmessung (0,8fache Vergrösserung), ein Vergrösserungssucher (6.2fache Vergrösserung und Dioptrienverstellung) und ein Lichtschachtsucher mit Lupe (1fach) lieferbar. 1976 folgte - zusammen mit der motorisierten "X-1 Motor" ein schnell ansprechender Automatik-Prismensucher mit Silizium-Diode und LED-Anzeige (AES-Sucher).

Beim Auswechseln des Suchers muss unbedingt darauf geachtet werden, dass vor dem Ansetzen der Blendenmitnehmer am Sucher richtig positioniert wird (rot zu rot). Übersieht man dies, können Blendenmitnehmer und Blendenring des Objektiv sich verkeilen und gegenseitig beschädigen.

Zusätzlich kann die Kamera mit zahlreichen Einstellscheiben auf ihren jeweiligen Verwendungszweck hin angepasst werden.


Blitzanschlüsse

Die X-1 hat - neben dem damals noch üblichen Anschluss für Studioblitze - auch einen abnehmbaren Blitzschuh. Wegen des Wechselsuchers wurde er gezwungenermassen asymmetrisch auf der linken Kameraseite über dem Rückspulknopf platziert. Ein Schalter neben der Studioblitz-Buchse ermöglicht es, die Synchronisation zwischen langsam brennenden Blitzlampen (FP) und schell zündenden Elektronenblitzen (X) umzuschalten.


Objektive

Die ganze zur XM produzierte Objektivlinie zeichnet sich durch eine Konstanz und Klarheit im optischen und mechanischen Design aus, die später nie wieder erreicht wurde und von viel Liebe zum Detail zeugt. Nicht überraschend zeigen fast alle diese Objektive auch optisch Bestleistungen. Die Reihe – neu mit einem Gummiwaffelring versehen - wurde insbesondere von jenen Profis geschätzt, die grosse Diaschauen und Landschaften fotografierten. Im Gegensatz etwa zu Zeiss optimierte Minolta die ganze Objektivreihe auf eine einheitliche Farbwiedergabe, die wiederholt messtechnisch dokumentiert und von Spezialisten wie David Kilpatrick als „ausserordentlich“ beschrieben wird. Dazu wurde u. a. die Vergütung an jede einzelne Linse angepasst. Minolta war für eine äusserst detailreiche, aber eher kontrastarme Wiedergabe und das „weiche“ Bokeh bekannt - alles Eigenschaften, die eher dem sorgfältig arbeitenden und künstlerisch orientierten Individualisten zugute kamen.

Zeitgleich mit der XM wurden die 1968 an der Photokina vorgestellten Objektive (siehe z. B. Fotospiegel 137) mit neuen Fassungen ausgeliefert. Sukzessive kamen Neurechnungen hinzu: Ein MC 4/17 mm, das auch für die Leica gebaute 2.8/24mm und ein hochlichtstarkes 2.0/28 mm ergänzten die bereits 1968 vorgestellten Weitwinkel. Das MC 1.4/50 mm - nicht zu verwechseln mit späteren Varianten des MD 1.4/50 mm! - und das MC 2/50 mm haben den Ruf, die beiden schärfsten Minolta-Normalobjektive zu sein; bezüglich Bokeh kommen sie aber nicht ganz an das ältere 1.2/58 mm heran. Etwas später (1975) wurden die mittleren Teles neu gerechnet. Das überarbeitete 2.5/105 mm, das nun vierlinsige MC 2.8/135 mm und das neue 4/200 mm gehörten durch eine dicke, schwere Linse aus Glas mit niedriger Dispersion (LD) zu den besten damaligen Teleobjektiven. Spezialisten wie das Shift 2.8/35 mm und das 4.5/80-200 mm rundeten das Angebot ab.

Objektive wie das MC 2.8/21 mm, 2.8/24 mm, das 1.4/50 mm, das 2.5/100 mm, das vierlinsige 2.8/135 mm und das 4/200 mm geniessen punkto Detailauflösung einen ausgezeichneten Ruf. Die hochlichtstarken MC 1.8/35 mm, 1.2/58 mm und 1.7/85 mm wiederum sind wegen ihres sanften Bokeh sehr beliebt; teilweise werden sie sogar zum Gebrauch an modernen Digitalkameras umgebaut.

Im oberen Telebereich setzte Minolta lange – zu lange! – auf lichtschwache und nicht abblendbare Spiegeloptiken. Nikons 2.8/300 mm war an der Olympiade von Sapporo (1972) zum Markenzeichen des erfolgreichen Sportfotografen geworden. Minolta konnte da mit dem eher mittelprächtigen MC 4.5/300 mm nicht mithalten. Erst 1975 präsentierte man mit dem MC 5.6/400 mm APO das erste Fluorit-Objektiv, das aber recht lichtschwach war. – Der Zug im Profisegment war abgefahren.


Links

www.rokkorfiles.com/XK.html

members.aol.com/manualminolta/xk.htm

www.mir.com.my/rb/photography/hardwares/classics/minoltaxk/index.htm





 
ядерное оружие каллиграфия Шрифты Maya MCSD