| Minolta 9xi |
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Geschichte1992 kam mit der Dynax 9xi - sieben Jahre nach der Minolta 9000 - Minolta's zweite professionelle Autofokus-Spiegelreflexkamera auf den Markt.
AutofokusDer Autofokus der Dynax 9xi hat vier Sensoren, zwei mittlere waagrechte und zwei senkrechte links und rechts davon. Er ist auch nach heutigen Masstäben recht schnell. Als erste Kamera hatte die 9xi eine sogenannte "Fuzzy Logic", die der Kameraelektronik erlaubt, fein abgestufte Entscheide zu treffen. Beschleunigung und Richtungsänderung des Hauptobjekts werden bei der Berechnung des AF mit berücksichtigt; der AF wird (im Gegensatz zur Minolta 9000) bis zum effektiven Auslösen, d. h. auch nach Hochklappen des Hauptspiegels, rechnerisch nachgeführt. Der praktische und intuitiv bedienbare dreistufige Auslöser der Minolta 9000 (AF aktivieren, AF einfrieren, auslösen) fiel einer automatischen Umschaltung zwischen AF-S und AF-C zum Opfer - ein gravierender konstruktiver Mangel, der auf professionellem Level erst mit der Dynax 9 behoben wurde. Die Empfindlichkeit der Messzellen wurde hinab bis -1 EV erweitert, und ein eingebautes AF-Beleuchtungsgerät unterstützt den AF in kritischen Situationen automatisch bis in eine Entfernung von 9m. Der Autofokus bleibt auch bei raschen Serienaufnahmen (bis 4.5 Bilder/s) voll einsatzfähig; damit war di 9xi zu ihrer Zeit die schnellste AF-Kamera überhaupt. Durch Einsatz von speziell programmierten Speicherkarten (z. B. für Sport oder Porträt) kann die Charakteristik von AF und Belichtungssteuerung auf die jeweilige Situation abgestimmt werden.
BelichtungsmessungNachdem die Minolta 9000 nur eine einzige Messzelle hatte, konnte die 9xi mit einer Matrixmessung aus 14 Messfeldern auftrumpfen, das überdies mit den Messresultaten des AF gekoppelt ist. Zudem stehen weiterhin eine mittenbetonte Integralmessung und die von der 9000 her bekannte Spotmessung (2.7%) zur Verfügung. Ein eingebauter Okularverschluss fehlt leider.
BelichtungssteuerungWie schon bei der 9000 kann die Belichtungssteuerung über vier Modi erfolgen: Manuell (M), Blendenvorwahl (A), Zeitvorwahl (S), und Programmautomatik (P). Die Programmautomatik wurde in ihrer Komplexität nochmals stark erweitert; zur Ermittlung der eingesteuerten Zeit-/Blendenkombination werden nicht nur die Brennweite und der Lichtwert (wie bei der 9000), sondern auch Abbildungsmasstab und Objektabstand in die Berechnung mit einbezogen. Wie schon bei der 9000 können die ermittelten Wertepaare jederzeit durch einfaches drehen der Einstellräder geändert werden. Die kürzeste Verschlusszeit von 1/12000s ist nach wie vor Weltrekord - den elektronischen Verschluss der Nikon D1 einmal ausgelassen.
SucherDas Pentaprisma der 9xi ist - analog den professionellen Canon-Modellen - fest eingebaut. Der Sucher der 9xi zeigt bei 0.75facher Vergrösserung nur 92% (vertikal) bzw. 94% (horizontal) des Filmformates. Damit erreicht diese Kamera eindeutig nur semiprofessionelle Werte; erst die Dynax 9 (1998) konnte einen professionellen 100%-Sucher vorweisen. Die Mattscheiben - von gewohnt professioneller Qualität - mussten von Minolta gewechselt werden; nebst der Standard-Mattscheibe standen nur eine Gitternetz- und eine Fadenkreuz-Scheibe zur Verfügung.
GehäusekonstruktionDas Gehäuse der 9xi ist - im Vergleich zu den Konkurrenzmodellen Nikon F4 und Canon EOS 1 - geradezu zierlich klein und leicht. Trotzdem lässt die Robustheit nichts zu wünschen übrig. Nachdem der Gehäuseoberteil der Minolta 9000 offenbar zuwenig robust ausgelegt und (für eine Kunststoff-Konstruktion) nicht adäquat geformt worden war, trumpfte die 9xi mit einem stromlinienförmig konstruierten Gehäuse aus glasfaserverstärktem Polykarbonat auf, das zudem mit einem UV-gehärteten Polymer beschichtet wurde (Kratzresistenz). Der Spiegelkasten ist aus Zink-Druckguss und Edelstahl gefertigt, die Bodenplatte ebefalls aus Zink-Druckguss. Die Minolta 9xi war damit wesentlich besser gegen Fallschäden geschützt als die 9000, wenn auch die fehlende Abschirmung der Elektronik in gewissen Situationen zu einem (reversiblen) Totalausfall der Kamera führen kann. Auch hier wurde mit der Dynax 9 (Edelstahlgehäuse) nochmals ein grosser Schritt nach vorne gemacht. Einziger wirklicher Konstrktionsfehler ist die flexible Leiterplatine, die für den Informationsaustausch zwischen Kamera und rechter "Klapptüre" (mit Tasten für Selbstauslöser, Motor-Drive, Filmrückspulung, Iso usw.) sorgt. Die Platine wird bei längerem Gebrauch rasch brüchig, spaltet und unterbindet damit wichtige Einstellungen. Auch dieses Manko wurde bei der Dynax 9 behoben.
ObjektivsystemZusammen mit dem xi-Kamerasystem wurden auch sechs spezielle xi-Zoom-Objektive eingeführt, die - man höre und staune - ihre Brennweite selber wählen konnten. Nachdem die Minolta-Ingenieure ihren Kunden nach und nach die Kontrolle über Belichtungszeit (mit der Zeitautomatik), Blende (mit der Programmautomatik) und Fokussierung (mit dem AF) abgenommen hatten, blieb nun als letztes nur noch der Bildausschnitt, den der Fotograf ab sofort der Kamera überlassen sollte. Es versteht sich von selbst, dass dieses "Feature" ein Flop wurde. Zu allem Unglück waren die xi-Objektive (mit Ausnahme des 4.5-5.6/35-200mm) auch optisch, nun ja: schwach. Der Katalog der 9xi listet 1994 zusätzlich weitere 33 "konventionelle" AF-Objektive auf, wobei "konventionell" in diesem Zusammenhang auch durchaus unkonventionelle Konstruktionen (AF-Reflex 8/500mm und AF Macro Zoom 1x-3x/1.7-2.8) und eine ganze Reihe optisch und mechanisch hervorragender Objektive auf (so die sechs "Weissen" 2.8/200mm APO HS, 2.8/300mm APO HS, 4.0/300mm APO HS, 4.5/400mm APO HS, 4.0/600mm APO HS und 2.8/80-200mm APO HS und das 2.8/28-70mm sowie das neu gefasste 1.4/85mm).
Anschlussbuchsen und ZubehörIm Gegensatz zur 9000, die ein äusserst umfangreiches Systemzubehör hatte, war die 9xi in dieser Beziehung nur sehr spartanisch ausgestattet. Trotz sehr guten "Kerndaten" (AF-Geschwindigkeit und -Zuverlässigkeit, Motordrive, Belichtungsmessung) konnte die 9xi damit nie wirklich mit den professionellen Kameras der andern Hersteller (Nikon F4 und Canon EOS 1) gleichziehen. Blitzbuchsen und Fersteuerungsanschluss fehlten zwar nicht, aber damit hatte es sich schon. Nur die Chip-Cards, eher eine Spielerei für den technikvernarrten Amateur als ernsthaftes Werkzeug - boten zusätzliche Kontrollmöglichkeiten. Selbst Mehrfachbelichtungen waren mit der "nackten" Kamera nicht möglich, von DSLR-Rückteilen und Langfilm-Magazinen (beides erhätlich für die 9000) ganz zu schweigen.
Blitz-SystemINFOS FOLGEN!
Batterie-HandgriffINFOS FOLGEN!
Persönliche AnmerkungenIm Gegensatz zur Minolta 9000, die mich Anfang an rundweg begeisterte, wurde ich mit der 9xi nie richtig warm - trotz der Leistungsdaten, die bei Markteinführung durchweg auf dem Niveau der professionellen Konkurrenzprodukte von Canon und Nikon lagen. Auch wenn die Kamera technisch und von der Gehäuse-Robustheit her ein gewaltiger Schritt vorwärts war, überzeugte mich das Bedienkonzept nicht, das sich auf wenige Tasten und ein computerähnliches "Scrollen" beschränkte. Bis zum Erscheinen der Dynax 9, die den beiden vorgängigen Minolta-Profi-SLRs in allen Bereichen überlegen ist, fotografierte ich dehalb mit 9000 und 9xi parallel. In vielen Situationen war die eigentlich deutlich langsamere 9000 dennoch schneller, da die Bedienung der 9xi teils unlogisch oder schlicht nicht durchdacht ist (z. B. die automatische Umschaltung von AF-C auf AF-S). Dadurch ging manches Bild mit der 9xi "verloren", das mit der 9000 durchaus machbar gewesen wäre. Zudem hatte meine erste 9xi ein hartnäckiges Elektronik-Problem; die Kamera hängte sich (üblicherweise in wichtigen Situationen) gerne auf, und dann half nur das Herausnehmen der Batterie und ein anschliessender Neustart. Es dauerte Jahre, bis Minolta Schweiz nach mehreren erfolglosen Reparaturversuchen die ganze Elektronik auswechselte und damit das Problem endlich behob. Mittlerweile galt die 9xi aber bei mir als "unzuverlässig", wenn auch vielleicht zu unrecht. Abgesehen davon ist die Kamera natürlich deutlich robuster gebaut, hat eine wesentlich bessere Belichtungsmessung und einen viel schnelleren AF als die 9000. Zudem ist sie wesentlich leichter als eine Nikon F4 oder eine EOS-1. |
